Wer hat das 'I heart NY'-Logo entworfen?


Von Zach Udko für British Airways High Life Magazine

Foto von Stefan Ruiz

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Mai 2016

Das aus ganzen drei Buchstaben und einem Symbol bestehende Logo "I heart NY" von Milton Glaser bescherte der Stadt Glück und zählt inzwischen zu den bekanntesten Symbolen unserer Zeit. Zum 40-jährigen Jubiläum dieses Logos hat sich High Life mit dem kreativen Schöpfer getroffen.

Im Jahr 1976, saß der Grafikdesigner Milton Glaser auf dem Rückisitz eines Taxis, bewaffnet mit einem roten Zeichenstift, einem zerissenen briefumschlag und einer Idee, die zentral für die Gestaltung des modernen New Yorks werden würde.

Die Stadt hatte mit einem milliardengroßen Defizit und drohendem Bankrott zu käpfen und war in einem Panikzustand aufgrund von Kriminalität, Schmutz und fehlenden öffentlichen Dienstleistungen. „Diese Jahre waren für die Stadt besonders hart“, erzählt Glaser. „Ich weiß noch, wie ich nach dem Abendessen mit meiner Frau einen Spaziergang machen wollte und sie sich aus Angst vor den Überfällen, die Teil des Alltags geworden waren, weigerte.“ Viele Einwohner verließen die Stadt, die ihren Glanz verloren zu haben schien. „Das war eine gute Zeit, um eine Wohnung zu kaufen“, sagt der jetzt 86jährige Glaser, der damals in der Upper West Side lebte, mit einem Lächeln.

Der Mann, der dazu beitrug, dass sich die ganze Welt wieder in New York verliebte, weigert sich, seine Heimatstadt nur als ein Reiseziel von vielen zu sehen.

Das New Yorker Amt für wirtschaftliche Entwicklung wollte das düstere Image der Stadt abschütteln und beauftragte die Werbeagentur Wells, Rich, Greene, die sich wiederum an Glaser wandten. Er machten seinen Vorschlag für die ursprüngliche Version des Logos (zwei rote, nebeneinander dargestellte Dragees, in denen „I love“ bzw. „NY“ geschrieben stand) auf freiberufliche Pro-bono-Basis.

Eine Woche später kam Glaser in einem Taxi eine bessere Idee. Er kritzelte sie auf einen Umschlag und fuhr sofort zum Büro von Commissioner Bill Doyle. Dieser Umschlag ist jetzt im Museum of Modern Art ausgestellt. Glaser, der glaubte, die 1977 gestartete Werbekampagne würde drei Monate dauern, ist darüber amüsiert, dass die ganze Welt sie nicht loslassen kann. „Wenn ich in Chinatown bin, denke ich manchmal, es sei eine Werbung für ‚I love NY‘, weil wirklich ganze Wände damit gepflastert sind. Es gibt keine rationale Erklärung dafür, warum einige Dinge im Gedächtnis bleiben.“

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  • Postkartren mit dem kultigen ‘I heart NY’ Logo kann man überall in Manhattan finden © Bill Hornstein/Getty

    Hören wir uns das für New York an

    Glasers Design hat sich seinen Weg auf zahlreiche Souvenirs gebahnt, die von Straßenhändlern verkauft und von begeisterten Touristen gekauft werden, die unbedingt ein kleines Stück New York besitzen wollen. Im Jahr 1977 kam auch ein Lied heraus, passend zum Logo und es ist bis heute das Lied des Bundesstaates New York.

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  • Blick auf Hell’s Kitchen und Chelsea – wo Glaser heute lebt © Thomas Janisch/Getty

New York wollte das Logo ursprünglich nicht urheberrechtlich schützen, aber im Jahr 1994 begann die Wirtschaftsförderungsstelle Empire State Development damit, Lizenzgebühren zu sammeln und bringt dem Staat durch ihre Bemühungen jährlich Millionen von Dollar ein. Produkte, die das Logo tragen, bringen jährlich 30 Millionen Dollar ein, von dem nichts an Glaser geht. Aber er ist pragamtisch und sagt: „Ich bin niemand, der an Geldmangel leidet. Ich habe mir meinen Lebensunterhalt mit anderen Dingen verdient. Wir möchten uns alle im Leben so fühlen, als hätten wir anderen auf eine gewisse Art und Weise beeinflusst. Und das wird mir ständig gezeigt.“

Bei „I love NY“ ist nach Meinung Glasers die Form häufig wichtiger als die Botschaft: „Es ist die Reaktion auf eine Abstraktion – etwas in der Art der Beschränkung auf diese geometrischen Formen und die Sinnlichkeit des Herzes. Bei Kunst geht es darum, die Teile des Gehirns anzusprechen, die emotional reagieren.“ Als er fünf Jahre alt war, nahm alles seinen Anfang, als sein älterer Cousin ihm eine aufgeblasene Papiertüte mit der Frage zeigte, ob er einen Vogel sehen wolle. „Ich dachte, in der Tüte sei ein Vogel“, erinnert sich Glaser. „Doch weit gefehlt, es war ein Bleistift. Der Cousin nahm den Stift aus der Tüte und zeichnete damit einen Vogel auf das Papier. Die Idee, dass man mit einem Bleistift etwas Lebendiges schaffen könnte, oder etwas ganz Ähnliches, überwältigte mich sofort. Ich erinnere mich gut an jenen Moment, denn ich war einer Ohnmacht nahe.“

Sobald der Zauber begonnen hatte, fand sich Glaser auf einem Weg in Richtung einer Karriere als Künstler wieder: „Ich war nie glücklicher, als zu den Zeiten, in denen ich etwas erschuf“, sagt er.

  • Symbol von New York: Glaser erschuf das ursprüngliche Logo, während er in einem der berühmten Yellow Cabs saß © Getty
  • Glasers Design hat sich seinen Weg auf zahlreiche Souvenirs gebahnt, die von begeisterten Touristen gekauft werden, die unbedingt ein kleines Stück New York besitzen wollen © Getty

    Mehr als nur ein Symbol

    Das Logo und die Werbekampagne waren Teil eines größeren Projekts zur Bereinigung der gefährlichen Straßen der Stadt in den 1970ern, welches Manhatten zur heutigen Touristenhauptstadt gemacht hat.

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  • Das Cooper Union Building, wo Milton Glaser Kunst studierte © Tetra Images/Getty

    Großartiges Design

    Das Cooper Union Building ist ein renommiertes Architektur- und Ingenieurscollege im East Village von New York. Es ist berüchtigt, wie schwer es für Studenten ist, angenommen zu werden und die Annahmequote liegt unter 10 Prozent.

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Im Laufe der nächsten acht Jahrzehnte konnte Glaser von verschiedenen Standpunkten aus beobachten, wie New York sich veränderte. Nachdem er an der Cooper Union und später in Bologna Kunst studiert hatte, lebte er 17 Jahre im East Village, mit Nachbarn wie Allen Ginsberg und WH Auden. „Damals drehte sich alles um die Szene Downtown. Alles. Von Andy Warhol bis zu den Grateful Dead.“ Nach über 30 Jahren an der Upper West Side lebt er heute mit seiner Frau Shirley in Chelsea.

Vor Kurzem hat Glaser das Plakat für die letzte Staffel von „Mad Men“ entworfen – ein psychedelisch anmutendes Bild, das auf sein eigenes Poster aus dem Jahr 1966 für Bob Dylans Greatest Hits Bezug nimmt. Den Rückblick auf die Werbewelt der 1960er-Jahre in Matthew Weiners Serie fand er auf den Punkt getroffen: „Es war eine Bestätigung. Mir wurde klar, wie präzise meine damaligen Beobachtungen waren. Ich war in diesen Büros und die Menschen verhielten sich exakt so, machten Verträge, riefen die Mädchen rein. Das waren wirklich ein paar Verrückte. Sie waren komplett durchgedreht. Das ganze Zeug war so irrational, doch damals schien es vollkommen normal.“

Glaser, der momentan am Erscheinungbild des Staates Rhode Island arbeitet, hat vor kurzem eine Nachricht an Gouverneurin Gina Raimondo geschrieben, in der er die wesentlichen Elemente effekitven Designs erklärt. „Ich sagte: ‚Man muss nicht nur etwas erschaffen, dass denkwürdig ist, sondern auch etwas, das Zuneigung hervorruft. Die Leute müssen sich gut fühlen, wenn sie es betrachten.’“

Der Mann, der dazu beitrug, dass sich die ganze Welt wieder in seine Heimatstadt verliebte, weigert sich, seine New York nur als ein Reiseziel von vielen zu sehen. „Es hat nicht nur die eine Eigenschaft, die einen Ort ausmacht. Es ist alles – die Höhen, die Tiefen, das Beste, das Schlimmste – alles zugleich“, meint er. „Und als New Yorker macht man vor allem eines: sich mit seiner Meinung zurückhalten. Man glaubt nicht alles, was einem präsentiert wird, da man schon zu oft angelogen wurde und sich die Dinge fortwährend ändern.

„Ich denke, man kann in New York aufgrund der Widersprüche und Verwicklungen reifen“, sagt Glaser, der sich keinen anderen Wohnort vorstellen kann. „Hier ist nichts simpel.“ Und doch kann man Glasers Karriere als Beispiel dafür nehmen, dass manchmal die kleinste Geste in der ganzen Welt wahrgenommen wird.